Axe-Fx User Inside

 

  logo

 

Francis Stringbender aus der Schweiz ist Gitarrist aus Leidenschaft. Er liebt die Abwechslung und so ist er stilis­tisch breit aufgestellt. Rock, Blues, Metall, Funk, Pop und Fusion sind seine Einsatz­gebiete. Schlag­zeug und Bass sind seine Neben­instrumente. Mit diesem Wis­sen ist er der ideale Partner für Produk­tionen aller Art, live oder in seinem Studio. Er ist Axe-Fx User der ersten Stunde und Sup­porter von G66 für die Schweiz. Bei ihm können die Axe-Fx und Matrix Pro­dukte vor Ort ausge­checkt werden.

Hi Francis, erzähl uns etwas über deinen Werdegang als Musiker? 

Ich bin bald 47 Jahre alt und spiele seit über 30 Jahren Gitarre. In meiner Anfangszeit war ich ein Fan von den damaligen Hardrock- und Metal-Bands, Judas Priest, Van Halen, Iron Maiden, AC/DC und wie sie alle hießen. Zu dieser Zeit war es noch kein Problem den richtigen Ton zu haben: Marshall JCM 800 mit 2 4x12 Boxen, Boss Distortion, ne Gitarre mit Humbucker Pickups und gut wars (und laut wars…).

Nach ein paar Jahren fing ich an mein Spektrum zu erweitern und lernte die Musik all dieser Jimis, Jeffs, Steves, Joes, Ritchies usw. kennen. Bald war auch klar, dass ich mich - um 'dorthin zu gelangen - weiterbilden muss. Ich fing an, mich mit dem schulischen Aspekt der Musik (Harmonielehre, Gehörbildung etc.) zu befassen und hatte das Glück, immer wieder mit Leuten zu jammen, welche ein Musikstudium absolvierten und mir im richtigen Moment den entschei­denden Tipp geben konnten. Ich spielte in verschiedenen Bands mit, von brett­hartem Metal bis Blues und Top 40 Coverbands. Manchmal auch als Ersatz für einen ausgefallenen Gitarristen. Auch als Bassist oder Schlagzeuger war ich unterwegs, live und im Studio.

Recording war schon früh ein Thema für mich, am Anfang mit einem 8-Spur Tonbandgerät und dem legen­dären Atari Computer, später dann mit einem PC. Seit 12 Jahren betreibe ich professionell ein Studio, mit dem ich von aufwändigen CD Produktionen für Bands oder Songwriter, bis zu Werbesopts fürs Radio oder auch simplen Gesangs­aufnahmen zu Karaokemusik schon so einiges gemacht habe. Natürlich kann man mich für externe Produktionen auch als Gitarrist buchen. Als Gearfreak habe ich schon sehr viel Geld in Amps, Guitars und sonstige Gerätschaften inve­stiert, immer auf der Suche nach dem 'Perfekten Ton' .

Das ist eine Steilvorlage zur nächsten Frage, wann und wie bist du zum Axe-Fx gekommen? 

Das war im Sommer 2007, ich war auf der Suche nach einem neuen Multieffektgerät um mein Digitech GSP 2101 zu ersetzen. Ich spielte zu dieser Zeit einen ENGL SE 670, mit welchem ich sehr zufrieden war. Dieser Amp ist in der Lage tolle Cleansounds, moderne Rocksounds wie auch vintage mäßig Stratsounds zu erzeugen, er ist MIDI-program­mierbar und somit (für einen Rörhrenamp) sehr flexibel. Das Thema digitale Amps war für mich eigentlich abgeschlossen, da ich die diversen Geräte kannte und zum Teil auch besaß (inklusive dem damaligen Spitzen­reiter Hughes & Kettner Zentera). Der Sound war bei diesen Geräten einfach nicht 'echt', das Dynamik­verhalten unbefriedigend bis gar nicht vorhanden. In einem Gitarrenheft oder im Internet stieß ich dann auf eine Anzeige vom damaligen Fractal Audio Axe-Fx Ultra. Beeindruckt von all den möglichen Effekten inkl. intelli­gentem Pitch­shifting (ich liebäugelte schon mit so einem sauteuren 'Eventide Harmonizer', zum Glück hab ich es gelassen….) entschloss ich mich für einen Spontankauf. Ein paar Tage später war das Gerät dann hier und ich spielte es, ohne hohe Erwartungen betreffend des Ampsounds direkt ins Pult. Nach ein paar Minuten war ich hin und weg, ich konnte kaum glauben wie authentisch und dynamisch die Amps klingen und auf spiele­rische Nuancen reagieren. Auch die Effektsektion ist hervorragend, üppig ausgestattet und top im Sound (auch hier kein Vergleich zu den anderen 'Komplett­lösungen'). Schnell war klar, dass dieses Gerät nicht, wie am Anfang geplant, nur als Multieffekt dienen, sondern den komplet­ten Sound machen sollte. Seitdem spiele ich nur noch direkt ins Pult, jetzt natürlich mit dem Axe-Fx II, welcher nochmals deutlich besser klingt als der Ultra. 

Wie verstärkst Du das Signal und wie steuerst Du den Axe-Fx?

Ich habe mir das Matrix Package gekauft (Q12 Speakers mit GT 1600 Endstufe) und bin sehr zufrieden damit. Die Q12 sind koaxial aufgebaut und verhalten sich wie 'echte' Gitar­renboxen mit einem etwas breiteren Abstrahlwinkel. Als Moni­toring und für kleinere Gigs ist das ideal, tönt super und ist sehr transport­freundlich da leicht­gewichtig. Der Schall­druck ist für diese Grösse beein­druckend. 

Für die Steuerung benutze ich das MFC-101 an welchem ich vier Expression Pedale angeschlossen habe. Mit dem Pedal 1 steuere ich die Lautstärke von Delay und/oder Reverb, Pedal 2 ist als Wah definiert (oder manchmal anstelle des Wah ein Vocoder oder Envelope Filter), mit dem Pedal 3 regle ich den Input Volume des Gitarrensignals und Pedal 4 ist reser­viert für Spezial Effekte wie Pitch Shifting (Whammy, Harmonizer etc.) oder Rotary und Tremolo, welche ich sehr gerne bei bluesigen Sounds einsetze. Ich habe das MFC auf 10-er Bänke konfigu­riert um in der obersten Reihe (nr. 11 – 15) zusätzliche Effekte an- und abzuschalten: Drive 2, Phaser, Flanger Chorus und Synth. Bei Bandprojekten kopiere ich mir dann jeweils ein paar meiner Presets (ich habe ca. 50 verschiedene) auf eine oder zwei Bänke und passe sie noch etwas an (Delay und Reverb etwas dezenter als im Studio, Leadsounds etwas lauter als Begleitsounds etc.). Den 'Scene Mode' benutze ich zwar nicht, finde ihn aber durchaus innovativ.

Als Besonder­heit habe ich External Controller 10 mit der CC Nummer von Drive 2 (50) definiert, ebenso Ext. Controller 11 mit der CC nr. vom Synth (88). Dies mache ich unter I/O auf der CTRL Seite. Somit kann ich z.B. ein 'Noisegate' gleichzeitig mit Drive 2 akti­vieren und bei Bedarf die Lautstärke erhöhen (Level Regler beim GateExp Block), oder ich kann einen EQ gleichzeitig mit dem Synth-Block aktivieren und an den Frequenzen etwas verändern, um nur zwei Anwendungs­beispiele zu nennen. Die Möglichkeiten sind riesig und mit der offenen Archi­tektur des Axe-Fx kann sich jeder sein eigenes Süppchen kochen, ein weiterer Punkt, bei dem ich das Gerät einfach als extrem geil empfinde!    

stringbender
Gibt es noch weitere Tricks, die du uns verraten kannst?

Gerne, es gibt da so einiges, lass uns das mal beschränken auf jene Blocks welche den Grundsound machen, also Amp und Cabinet. Als erstes möchte ich erwähnen dass die Cabinets den Sound enorm prägen, man sollte sich also reichlich Zeit nehmen sie auszuchecken, inkl. der verschiedenen Mics. Bei mir haben sich mit der Zeit ein paar Favoriten herauskristallisiert auf welche ich immer wieder zurückgreife: F103, F051, F041 und F061 verwende ich am häufigsten (alles 4x12 Boxen). Da 4x12er tendenziell etwas 'zugezogen' klingen kombiniere ich diese gerne mit F093, eine 2x12 Box mit den Jensen Blue Alnico speakers welche man aus den alten Vox Amps kennt. Diese Cab ist sehr knackig in der Ansprache und verhält sich in den oberen Mitten 'offener' als die 4x12er, zusammen gibt das für mich ein ideales Ergebnis. Auch F093 alleine klingt super für mich, durchaus auch mit einem für diese Box untypischen High-Gain Amp wie z.B. dem Diezel VH4, aber natürlich bevorzugt bei 'bluesigen' Verstärkern wie Fender, Dumble usw.

Bei den Amps gibt es deutlich mehr Favoriten, so um die 20 sind es bestimmt. Diese probiere ich so einzustellen dass sie möglichst dynamisch reagieren und 'atmen'. Dabei ist das Mastervolume sehr weit offen (oftmals wird zusätzlich der Maste Volume Trim Wert erhöht), Input drive ist dafür umso niedriger eingestellt. Mit dieser Einstellung kommt die Verzerrung mehr von der Endstufe und weniger von der Vorstufe, der Ton lässt sich besser formen. Um den Attack in den unteren Frequenzen etwas knackiger werden zu lassen nehme ich den Wert von XFormer Match gerne etwas zurück, ich bewege mich da so zwischen 0.6 bis 1.0, den XFormer Drive habe ich meistens auf dem niedrigstem Wert (0.01), das macht den Klang etwas 'cleaner' im Sinne von mehr Defini­tion. Bei der Page Dynamics habe ich Supply Sag bei vielen Amps auf 0.01 und den Output Comp auf 0. Der Amp bewegt sich hier etwas weg vom Original (auch frequenzmäßig) und reagiert nochmals dynamischer. Bei der Page Power gibt es noch den Parameter Dynamic Damping, er ist zuständig für die Endstufenkompression, welchen ich auch oftmals auf 0 stelle (also auch hier möglichst wenig Kompression um einen ehrlichen Ton zu haben). Dann gibt es noch den Para­meter Negative Feedback, dort wähle ich meistens hohe Werte mit dem Ergebnis dass der Amp mehr 'Hi-Fi' mäßig klingt. Die Low Cut Frequenz (unter dem Tone Parameter) setze ich relativ hoch an (580 Hz. Z.B. beim Euro Red), das Signal durchläuft den Amp somit ziemlich 'dünn'. Die Bässe hole ich mir zurück bei den Cab, indem ich beim Proximity Regler hohe Werte einstelle. Das Ergebnis ist ein extrem definiertes Ansprechverhalten in den unteren Frequenzen (hohe Mastevolumen-Einstellungen bewirken bei den Originalamps oftmals ein matschiges Bassverhalten), welche auch weniger verzerren im Verhältnis zu den Mitten und Höhen. Speziell die High-Gain Amps profitieren hier, singende Melodietöne und gleichzeitig knackige, nicht allzu verzerrte Bässe.

Alle Patches meines Videos können heruntergeladen werden!

Alle diese Sachen basieren auf meinem persön­lichem Geschmack und Spiel­weise und sind natürlich nicht allgemeingültig, wenn aber jemand interes­siert ist, meine Sounds bei sich auszu­probieren, können die Patches bei der Platt­form 'axechange.frac­talau­dio.com' herun­terge­laden werden. Mein Member­name ist: Jazz­hooligan (in der Suchspalte eingeben).

Cliff Chase verbessert leidenschaftlich und ständig. Wenn du etwas wünschen könntest, was wäre das? 

Ich bin eigentlich wunschlos glücklich, und das schon seit längerer Zeit. Wenn ich mir dann aber jeweils die neueste Firmware runterlade bin ich trotzdem immer wieder erstaunt, dass es doch noch besser klingt als zuvor. Mein Wunsch an Cliff ist demnach dass es einfach so bleibt wie es ist, nämlich dass die Geschicke von Axe-Fx weiterhin durch seine Hände geleitet werden und er sich nicht mit einer Big Company zusam­mentut (Angebote hat er bestimmt schon erhalten). Im Prinzip ist es schon eine verrückte Geschichte: Da kommt ein 'Einzelkämpfer' rollt das ganze Feld von hinten auf und setzt einen Standard, welcher die Branchenriesen mit ihren Entwicklungsteams und finanziellen Möglich­keiten ganz schön alt aussehen lässt. Ich denke das liegt einerseits an seiner Genialität, die komplexen Vorgänge eines Röhrenamps zu verstehen und in die digitale Welt zu transferieren, anderer­seits aber auch an seinem Idealismus, zuerst mal ein bestmögliches Gerät zu entwickeln und erst danach zu schauen zu welchem Preis es zu realisieren ist. In der Industrie läuft es oftmals umgekehrt, zuerst wird ein Preis angesetzt (das neue Gerät XY soll im Einzelhandel nicht mehr als soundso viel kosten) und danach wird in diesem Preisrahmen entwickelt (billige Wandler, weniger Prozes­sorleistung etc.).

Bei den Gitarren ist es übrigens sehr ähnlich, es gibt in Europa (speziell in Deutschland) enorm talentierte Gitarrenbauer, welche absolut perfekte Instrumente herstellen und das erst noch 'maßgeschneidert' (Halsprofil, Pickups, Hardware etc.). Solch eine Gitarre bereitet meiner Meinung nach deutlich mehr Freude als Stangenware und das teilweise deutlich günstiger als diese Custom Shop/ Private Stock Modelle großer Marken wie Fender, Gibson oder PRS. Auch schätze ich den persönlichen Kontakt zum Instrumentenbauer und bin davon überzeugt, dass es für alle Gitarristen/Gitarristinnen den 'richtigen' Luthier gibt. Bei mir ist es Frank Hartung, wir sind schon lange gute Freunde und die Gitarren von ihm sind einfach atemberaubend! 

NACHTRAG SOMMER 2017
Selbstverständlich wurde das Gerät in den vergangenen drei Jahren weiterentwickelt, die Ampsounds klingen noch einmal deutlich besser. Vor allem aber das "wie-es-sich-anfühlt" (Dynamikverhalten) beim Spielen ist jetzt dermassen gut, dass sich die oben beschriebenen "Eingriffe" in den advanced Parametern nicht mehr notwendig sind. Viele Amps sind jetzt so, wie sie ab Werk voreingestellt sind, schon richtig gut. Die Einstellungen auf der Basic Page reichen vollkommen aus um den Amp nach Geschmack einzustellen, also wie bei einem 'richtigen' Röhrenamp. 

FazitDas Axe-Fx II und auch das AX8 klingen nochmals besser, das Dynamikverhalten ist jetzt einfach fantastisch. Dazu kommt: Es ist viel einfacher geworden und geht viel schneller, den gewünschten Sound zu bekommen !

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.